Was bei Google im letzten Jahr noch Stürme der Entrüstung bei Datenschützern, Politikern und zahlreichen Bürgern auslöste, scheint im Falle von Microsoft nun kaum jemanden zu interessieren: Fast unbeachtet von der Öffentlichkeit fahren Spezialfahrzeuge von Microsofts Kooperationspartner NAVTEQ schon seit Mai 2011 durch deutsche Ortschaften und fotografieren die Straßenansichten, um sie als Rundumansicht der Welt im Internet bereitzustellen. Die Straßenansichten sind Bestandteil von Microsofts Kartendienst "Bing Maps".
Offiziell wird, wie bereits bei Googles "Streetview", betont, dass der Bilderdienst das Leben erleichtere, indem Freunden und Bekannten die Orientierung oder Kunden und Wohnungsinteressenten die Suche erleichtert würde. Was bei Firmen und Geschäften zutreffen mag, löst bei vielen Privatpersonen aber Unbehagen aus: Nicht jeder möchte seinen Vorgarten oder seine Terrasse für Wildfremde am anderen Ende der Welt im Internet präsentieren.
Nachdem Microsoft zunächst eine Sonderbehandlung beanspruchen und die gegenüber Google erstrittenen Rechte für Privatpersonen für sich nicht anerkennen wollte, ist nun auch für "SteetSide" ein Vorabwiderspruch möglich - eine freiwillige Leistung, wie der Konzern betont. Auf einer Informationsseite informiert Microsoft, wann in welchen Städten und Gemeinden in Deutschland fotografiert wird.
Wie kann ich gegen die Veröffentlichung von Bildern meines Hauses widersprechen?
Jeder kann die Bilder von seiner Garageneinfahrt, seinem Haus oder seinem Garten wieder aus dem Internet entfernen lassen. Wie das genau funktioniert, wird auf den Informationsseiten jedoch nicht wirklich erklärt. Microsoft beschränkt sich auf allgemeine Aussagen: Wer Einwände gegen ein veröffentlichtes Bild hat, könne dieses "zur Überprüfung und Entfernung kennzeichnen". Mitarbeiter würden die Anfragen einzeln prüfen und "unzulässige Bilder" schnell entfernen. Weiter heißt es, die Möglichkeit, Anfragen auf Unkenntlichmachung zu stellen, sei auf natürliche Personen und ihre persönliche Privatsphäre beschränkt, gilt also z.B. nicht für größere Unternehmen.
Bis zum 30. September 2011 kann auch schon vor der Veröffentlichung beantragt werden, dass die Fotos des eigenen Hauses nicht bei "StreetSide" auftauchen. Hierzu hat Microsoft ein Online-Formular bereitgestellt. Alternativ kann man auch ein Formular downloaden, das per Post an die darin angegebene Adresse zu schicken ist.