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Auch wenn man meist nur von den vier "großen" Energiekonzernen EnBW, Eon, RWE und Vattenfall hört: Auf dem deutschen Strommarkt tummeln sich mehr als 900 Anbieter. Sie haben über 10.000 Tarife zur Auswahl, zwischen denen teilweise deutliche Preisunterschiede bestehen. So rechnete das Vergleichsportal Verivox im September 2010 aus, dass ein durchschnittlicher Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh bei einem Wechsel zum jeweils günstigsten verfügbaren Angebot mit vergleichbaren Konditionen 225 Euro im Jahr sparen kann.
Am größten ist das Sparpotenzial für alle Kunden, die ihren Strom über den Grundversorgungstarif des örtlichen Versorgers beziehen. Die Grundversorgung nutzt in der Regel jeder, der seit seinem Einzug weder Anbieter noch Tarif gewechselt hat. Dabei haben die meisten Anbieter Spartarife im Programm. Wer die nutzen will, muss sich aber darum kümmern. Ohne Nachfrage des Kunden informieren nur einige Versorger über diese günstigeren Tarife. Das Einsparpotenzial ist aber meist eher gering.
Besser ist der Komplettwechsel zu einem anderen Abieter. Hierzu muss man zunächst wissen, welcher Energieversorger überhaupt Strom an den eigenen Wohnort liefert. Die meisten Anbieter haben ein eingeschränktes Versorgungsgebiet. Dennoch finden sich in der Regel in jedem Ort in Deutschland über 100 Energieversorger, die meist mehrere Tarife anbieten. Der Grundversorgungstarif landet meist ziemlich weit hinten in der Liste, wenn man nach Preis sortiert. Ein Wechsel lohnt sich also so gut wie immer. Häufig bieten die Unternehmen auch eine einmalige Wechselprämie an, die den Umstieg noch schmackhafter macht.
Beim Tarifvergleich fällt positiv auf, dass Ökostrom viel weniger kostet als oft suggeriert wird. Eigene Stichproben zeigen, dass sich unter den günstigeren Angeboten oft bis zu 20% Ökotarife befinden. Die Umwelt schonen, dem Atomstrom abschwören und dabei auch noch Geld sparen ist also durchaus möglich.
Wie funktioniert der Anbieterwechsel? - Ganz einfach in vier Schritten
1. Ermitteln Sie Ihren Stromverbrauch
Notieren Sie Stromverbrauch und Kosten von Ihrer letzten Stromrechnung. Für den Verbrauch empfiehlt es sich, den Durchschnitt der letzten 2-3 Jahre zu ermitteln, um wetter- und verbrauchsbedingte Schwankungen auszugleichen. Mit den Kosten können Sie die Preise vergleichen. In der Rechnung finden Sie auch die Nummer Ihres Stromzählers, die Sie für den Anbieterwechsel benötigen. Dem neuen Versorger müssen Sie auch den Namen Ihres bisherigen Stromlieferanten nennen.
2. Suchen Sie den besten Tarif der an Ihrem Wohnort tätigen Anbieter
Bei der Tarifauswahl helfen die Tarifrechner der Vergleichsportale im Internet (siehe unten und Kasten rechts). Geben Sie Ihre Postleitzahl und Ihren Stromverbrauch in den Tarifrechner ein. Der Stromtarifrechner liefert dann sofort günstige Anbieter und errechnet häufig gleich die mögliche Jahresersparnis. Sie können die Suchkriterien Ihren Wünschen nach anpassen. Achten Sie außer auf den Preis auch auf die Vertragsbedingungen und die Laufzeit. Meiden Sie Tarife mit Vorkasse und Kaution. Bevorzugen Sie Verträge mit kurzer Laufzeit und monatlicher Kündigungsfrist. So können Sie den Anbieter schneller wechseln, wenn Sie nicht mehr zufrieden sind. Tipps, auf welche Kriterien Sie achten sollten, haben wir weiter unten zusammengestellt.
3. Erteilen Sie den Wechselauftrag
Wenn Sie einen geeigneten Anbieter gefunden haben, beauftragen Sie ihn. Das Anmeldeformular können Sie meist online ausfüllen. Sie können das Formular jedoch auch ausdrucken, von Hand ausfüllen und dem Anbieter per Fax oder Post zurücksenden. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung bei Ihrem alten Anbieter. Die Ummeldung dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. Der neue Anbieter beginnt mit der Lieferung stets am ersten eines Monats. Wann genau der neue Vertrag beginnt hängt auch von Ihrem Liefervertrag mit dem bisherigen Stromversorger ab. Einige Verträge haben Mindestlaufzeiten, die einzuhalten sind. Während der Mindestlaufzeit können Sie nicht wechseln.
4. Warten Sie auf Post vom alten und neuen Anbieter
Kurz vor der Umstellung fragt Ihr alter Anbieter nach Ihrem Zählerstand für die Schlussrechnung. Ihr neuer Anbieter schreibt Ihnen, zu welchem Termin er Sie mit Strom beliefern wird. Der Übergang erfolgt nahtlos - Sie haben nicht zu befürchten, dass Ihr Licht ausgeht und Sie im Dunkeln sitzen. Nach erfolgtem Wechsel erhalten Sie eine Schlussrechnung vom alten Anbieter, in der er den Stromverbrauch bis zum Wechseltermin abrechnet. Prüfen Sie die Rechnung, auch dahingehend, ob die bereits geleisteten Abschlagszahlungen korrekt abgerechnet werden. Im günstigsten Fall bekommen Sie mit der Schlussrechnung Geld zurück. Die erste Rechnung des neuen Anbieters erhalten Sie in der Regel nach einem Jahr.
Wie findet man den besten Stromtarif?
Die Stiftung Warentest hat im September 2008 elf Stromtarif-Vergleichsportale im Internet unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Nicht alle sind empfehlenswert. Unter den getesteten Portalen waren vier mangelhaft. Da die Portale zum Teil unterschiedliche Tarife auswerten kann es sich durchaus lohnen, nicht nur bei einem Portal zu suchen. Die drei besten Tarifrechner haben wir hier für Sie zusammengestellt:
1. Verivox
Vielfacher Testsieger: Platz 1 bei Stiftung Warentest (Note 1,1) und Ökotest.
2. Check24
Das Partnerportal Tarifvergleich.de erreichte Platz 2 bei Stiftung Warentest (Note 2,0).

3. TopTarif
Getestet und für "gut" befunden: Platz 3 bei Siftung Warentest (Note 2,1).

Wenn Sie den Anbieterwechsel bequem über eines der Vergleichsportale abwickeln, entstehen Ihnen keine Kosten und Risken. Die Portale leiten die Informationen an den von Ihnen gewählten Anbieter weiter und stehen darüber hinaus bei Fragen zu den Angeboten und zum Bearbeitungsstand Ihres Wechselauftrags zur Verfügung. Alle drei Portale bieten eine kostenlose Telefonhotline zur Beratung an.
Worauf ist bei der Tarifauswahl zu achten?
1. Vertragslaufzeit und Verlängerungszeitraum
Manche preislich günstigen Tarife erfordern eine lange Mindestvertragslaufzeit, teilweise von bis zu fünf Jahren. Achten Sie auf eine kurze Laufzeit - sonst sind Sie lange an Ihren neuen Anbieter gebunden, wenn Sie nicht zufrieden sind. Wenn Sie nicht kündigen, verlängert sich der Vertrag automatisch um einen vereinbarten Zeitraum. Auch hier gilt: je kürzer, desto besser. Einige Anbieter verlängern nur um vier Wochen, andere um ein ganzes Jahr.
2. Kündigungsfrist
Grundversorgungstarife können Sie mit einer Frist von vier Wochen zum Monatsende kündigen. Andere Tarife haben oft Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten. Da der Anbieterwechsel in der Regel sechs bis acht Wochen dauert, ist eine kurze Kündigungsfrist ähnlich wichtig wie die Laufzeit. Im Falle von Preiserhöhungen sollte im Vertrag ein Sonderkündigungsrecht vereinbart sein. Üblich ist ein eine Frist von vier Wochen zwischen Benachrichtigung und Inkrafttreten der Preiserhöhung. Je länger diese Frist, umso mehr Zeit bleibt für den Anbieterwechsel.
3. Umzug
Wenn Sie in eine neue Wohnung ziehen und den Strom dort nicht vom lokalen Grundversorger beziehen wollen, sollten Sie die Anmeldung sechs bis acht Wochen vor dem Einzug vornehmen. Teilen Sie Ihre Wahl auch dem örtlichen Grundversorger rechtzeitig mit. Andernfalls könnte sich dieser auf den Standpunkt stellen, dass beim ersten Einschalten des Lichts ein Stromvertrag mit ihm zustande gekommen ist.
4. Strompreis
Der Strompreis setzt sich aus Grundpreis und Arbeitspreis (Preis für den genutzten Strom in Cent pro Kilowattstunde) zusammen. Singles und Paare mit geringem Stromverbrauch sollten Tarife mit niedrigem Grundpreis wählen, für Familien und Großverbraucher zählt dagegen ein niedriger Arbeitspreis. Prüfen Sie, dass es sich beim angegebenen Preis um den tatsächlich zu zahlenden Endpreis handelt, und dass alle Kostenkomponenten berücksichtig sind. Fragen Sie im Zweifelsfall beim neuen Anbieter nach. Verbindlich ist stets der Preis, der im Vertrag genannt ist, nicht der im Tarifrechner aufgeführte Preis.
5. Preisgarantie
Tarife mit Preisgarantien schützen Sie für eine angegebene Zeitdauer vor Preiserhöhungen. Optimal sind solche Garantien, wenn sie für wenigstens ein Jahr gelten. Da die Strompreise in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind, können Tarife mit geringem Preisvorteil und ohne Preisgarantie durch Preiserhöhungen schnell teuer werden, so dass sich der Wechsel nach kurzer Zeit nicht mehr lohnt.
6. Rabatt und Wechselbonus
Angebote mit Erstjahresrabatt oder Bonus sind im ersten Jahr zwar oft günstig, können aber im Folgejahr deutlich teurer sein als andere Tarife. Achten Sie darauf, dass der Tarifrechner Rabatte und Boni beim Preisvergleich nicht direkt berücksichtigt. Diese Option können Sie in der Regel als Suchkriterium einstellen. Trennen Sie die Rabatte und Boni vom Jahrespreis und sehen Sie sie als zusätzliche Ersparnis an. Vorsicht ist geboten vor einigen Tarifen mit so genanntem Ökobonus. Hier gelten die angezeigten Tarife in der Regel nur im ersten Jahr, in den Folgejahren müssen Sie einen Aufpreis bezahlen.
7. Strompakete und Vorauskasse
Der Kauf vorab vereinbarter Strompakete (Stromverbrauchsmengen) ist nicht zu empfehlen. Wenn Sie weniger verbrauchen als vertraglich verabredet, bekommen Sie kein Geld zurück. Verbrauchen Sie hingegen mehr, müssen Sie den zusätzlichen Strom teuer zukaufen. Ebenso sollten Tarife mit Vorauskasse vermieden werden. Bei Anbieterwechsel oder im Falle der Insolvenz des Versorgers laufen Sie sonst dem bereits bezahlten Geld hinterher.
8. Beachten Sie stets das Kleingedruckte
Auch wenn Sie ein Vergleichsportal konsultieren oder mit dem Anbieterwechsel beauftragen, sind Sie selbst verantwortlich für die Auswahl des für Sie richtigen Tarifs. Die Vergleichsportale geben Ihnen nur eine Hilfestellung bei Ihrer Entscheidung. Ein gutes Testurteil für das Vergleichsportal bedeutet nur, dass die dort angezeigten Informationen aktuell, seriös recherchiert und übersichtlich sind, besagt aber nicht, dass alle dort angezeigten Tarife empfehlenswert sind! Die meisten Vergleichsportale geben in den Tarifdetails nähere Auskunft über die Merkmale der Tarife und enthalten teilweise auch Kundenbewertungen. Lesen Sie also die Hinweise zu den Tarifen und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Ihres neuen Anbieters, bevor Sie den Wechsel endgültig beauftragen. Die Vergleichsportale sind nicht für Probleme verantwortlich, die mit Ihrem neuen Stromanbieter auftreten, sondern fungieren allenfalls als Makler.
9. Kündigen Sie nicht selbst beim alten Anbieter!
Die Kündigung bei Ihrem alten Anbieter übernimmt der von Ihnen beauftragte neue Stromanbieter. Dabei erhält er alle relevanten technischen Daten und koordiniert den Termin der Umstellung. Nur so ist gewährleistet, dass der Wechsel reibungslos funktioniert. Kunden berichten immer wieder von erheblichen Problemen beim Anbieterwechsel, weil sie selbst den Vertrag beim alten Versorger gekündigt hatten. Überlassen Sie also die Kündigungsformalitäten unbedingt Ihrem neuen Anbieter!
Gibt es grundsätzliche Risiken beim Anbieterwechsel?
Grundsätzliche Risiken bestehen nicht. Es entstehen keine Wechselgebühren, und der Wechsel erfolgt unmerklich und ohne technische Änderungen. Ein Austausch oder andere Arbeiten am Stromzähler sind für den Wechsel nicht nötig. Zähler und Leitungen bleiben auch nach einem Wechsel im Besitz des örtlichen Netzbetreibers. Wartungsarbeiten oder Entstörungsdienste nimmt nach wie vor der Netzbetreiber vor. Die Zählerstände werden vom Netzbetreiber, vom neuen Anbieter oder von Ihnen selbst abgelesen. Im letzten Fall melden Sie die abgelesenen Daten per Post oder online an den Anbieter.
Eine zuverlässige Stromversorgung ist zu jedem Zeitpunkt garantiert. Ihnen gehen nicht die Lichter aus! Der örtliche Grundversorger ist gesetzlich verpflichtet, Sie mit Strom zu beliefern. Daher besteht zu keinem Zeitpunkt Gefahr, einmal ohne Strom dazustehen - selbst dann nicht, wenn der neue Anbieter Ihnen den Vertrag kündigt, sich vom Markt zurückzieht oder in Konkurs geht. Sie werden dann in der Ersatzversorgung unverzüglich zum Grundpreis vom örtlichen Anbieter versorgt. Hierbei haben Sie keine Strafentgelte zu befürchten.
Beachten Sie aber dennoch unsere Hinweise zum Anbieterwechsel, damit Sie flexibel bleiben. Wenn Sie mit Ihrem neuen Anbieter nicht mehr zufrieden sind oder dieser die Preise erhöht, können Sie unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfrist jederzeit einen neuen Anbieter suchen oder zu Ihrem alten Stromversorger zurück wechseln.
Vorsicht vor unseriösen Angeboten
Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. So tummeln sich unter den vielen seriösen Anbietern leider auch einige zwielichtige Akteure, die als Vermittler von vermeintlich günstigen Stromtarifen auftreten und die Verbraucher über den Tisch ziehen wollen. Wer die unabhängig getesteten und für gut befundenen Stromtarifvergleichsportale nutzt (siehe oben), ist in jedem Falle auf der sicheren Seite.
Aber nicht alle Tarifrechner im Internet sind zu empfehlen. Vorsicht ist etwa angeraten bei der als unabhängiges Vergleichsportal auftretenden Seite stromwechsel.de. Diese Seite wird von der Energie Service Deutschland AG (ESD) aus Frankfurt am Main betrieben. Vor den Praktiken dieser Firma wird seit Jahren in Internetforen, von Stadtwerken und auch von der Verbraucherzentrale gewarnt. Sie tritt insbesondere als aggressiver Vertriebspartner von eprimo (Vertriebstochter von RWE) auf und wirbt mit ungebetenen Telefonanrufen, zweideutigen Benachrichtigungspostkarten und drängt die Verbraucher trickreich zu Vertragsabschlüssen mit vergleichsweise hohen Preisen. Im Mai 2010 erließ das Landgericht Mannheim eine einstweilige Verfügung wegen falscher Angaben bei Haustürgeschäften.
Vor solchen Firmen ist dringend zu warnen. Wir raten Ihnen daher, sich nur auf Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen zu verlassen und im Zweifel Abstand von den gemachten Angeboten zu nehmen. Verdächtig sind z.B. Verkäufer oder "Berater", die Ihnen an der Haustür oder am Telefon sofort einen Vertrag aufschwatzen wollen und es ablehnen, schriftliche Unterlagen zu unterbreiten. Seriös informiert sind Sie stets bei den Verbraucherzentralen.
Zu beachten ist, dass auch ein "gutes" Vergleichsportal nicht davor schützt, dass man bei einem dort gefundenen Stromanbieter schlechte Erfahrungen machen kann. Die Stiftung Warentest warnt im November 2010 konkret vor den Anbietern FlexStrom und TelDaFax. Wichtig ist grundsätzlich, bei den Vergleichsportalen unerwünschte Tarife, z.B. mit Vorkasse, Kaution oder fester Strommenge, auszuschließen. Das kann man in der Regel in den Sucheinstellungen, indem man entsprehende Häkchen setzt. Also auch beim Vergleichsportal heißt es: Augen auf, kritisch bleiben und genau lesen, was man angeboten bekommt!
Fotos: R.B., Thorben Wengert, Andreas Morlok / pixelio.de
Quellen: Stiftung Warentest, BMELV, Verbraucherzentrale Bundesverband, Verivox
Weiterführende Informationen:
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