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Wie gefährlich ist die Schweinegrippe wirklich?
Bei der so genannten "Schweinegrippe", auch Neue Grippe bzw. Neue Influenza A/H1N1, handelt es sich in der Regel um eine relativ harmlose, "normale" Grippe mit Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Vereinzelt können auch andere Symptome, wie z.B. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, auftreten. Auch Todesfälle kommen vor, meist bei Patienten mit Vorerkrankungen und geschwächtem Immunsystem, allerdings nicht häufiger als bei der saisonalen Grippe. Es besteht also grundsätzlich kein Grund zur Panik.
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Vergleich: Todesfälle im Zusammenhang mit Influenza
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Schweinegrippe
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saisonale Grippe
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| Deutschland |
1
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8.000 - 11.000
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| Europa |
> 170
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k.A.
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| Zeitraum |
April - September 2009
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pro Jahr
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Quelle: Robert-Koch-Institut
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Denn auch die "normale" Grippe ist nicht ungefährlich, weil sich in ihrer Folge eine lebensbedrohliche Lungenentzündung entwickeln kann.
So sterben an der "normalen" saisonalen Influenza jedes Jahr allein in Deutschland 8.000 bis 11.000 Menschen (Durchschnittswerte der Jahre 1996-2006). Zum Vergleich: Von April bis September 2009 sind in Deutschland 20.648 Erkrankungen mit der Neuen Grippe registriert worden. Bislang ist bei uns ein Todesfall im Zusammenhang mit der Schweinegrippe aufgetreten. Es handelt sich um eine 36-jährige Frau, die auch an einer vorbestehenden Erkrankung der Atemwege litt. Weltweit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis September 2009 über 180.000 bestätigte Fälle von Influenza A/H1N1 beim Menschen registriert (die Dunkelziffer dürfte allerdings weitaus höher sein). In ganz Europa wurden über 170 Todesfälle gemeldet.
Derzeit sind mindestens 177 Länder von der Neuen Influenza betroffen, und das Grippevirus breitet sich weiter aus. Am 11. Juni 2009 wurde von der WHO die Pandemiewarnstufe 6 ausgerufen (fortgesetzte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus in mindestens drei Staaten in zwei Regionen der Welt).
→ Aktuelle Zahlen: Situationseinschätzung zur Neuen Grippe (Robert-Koch-Institut)
Bisher verliefen die meisten Schweinegrippe-Erkrankungen milde. Bei rechtzeitiger Diagnose ist die Krankheit mit antiviralen Medikamenten zudem gut behandelbar. Allerdings hat die Neue Grippe in vielen Staaten auch schon schwere Verläufe und Todesfälle verursacht, auch bei jungen und gesunden Menschen (was in einer saisonalen Grippe seltener vorkommt). Es handelt sich um ein neues Influenzavirus, dessen weitere Entwicklung und Folgen in Deutschland zur üblichen Grippezeit im Herbst und Winter unbekannt sind. In früheren Pandemien gab es häufig eine zweite, schwerere Welle. Für das neue Virus existiert keine oder nur eine beschränkte Immunität in der Bevölkerung. Ein Impfstoff gegen Influenza A/H1N1 ist in Entwicklung, steht bislang aber noch nicht zur Verfügung.
Da das neue Virus ansteckender ist als die saisonalen Influenzaviren, könnte eine größere Zahl von Menschen betroffen sein als in einer saisonalen Grippewelle. Treten die saisonale und die neue Influenza gleichzeitig auf, addieren sich die besonders gefährdeten Altersgruppen, so dass in der Summe eine große Zahl schwerer Erkrankungen möglich sind. Das pandemische Virus hat außerdem das Potenzial, durch genetische Veränderungen aggressiver zu werden und seine krankmachende Wirkung zu verstärken. Bei steigenden Infektionszahlen mit dem Schweinegrippevirus ist somit allgemein von mehr Erkrankungen mit schwerem Verlauf und Komplikationen (auch Todesfällen) auszugehen.
Wie wird die Schweinegrippe übertragen?
Die Ansteckung erfolgt wie bei der gewöhnlichen Grippe vor allem über Tröpfchen, die z.B. beim Sprechen, insbesondere aber beim Husten oder Niesen entstehen und über eine geringe Distanz - oder direkt wie etwa beim Küssen - auf die Schleimhäute von Kontaktpersonen gelangen können. Vermutlich kann die Übertragung auch über Oberflächen erfolgen, die mit virushaltigen Sekreten verunreinigt sind, wenn sie angefasst werden. Dabei gelangen die Viren über die Hand in Mund, Nase oder Augen. Der Anteil der Übertragungen auf diesem Wege ist aber nicht bekannt. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist die Übertragung durch Nahrungsmittel unwahrscheinlich; die Viren werden jedenfalls sicher vernichtet durch Erhitzen des Schweinefleischs auf mindestens 71 °C.
Wer ist besonders gefährdet?
Nach Untersuchungen des Robert–Koch–Instituts sind bisher ca. 80% der Schweinegrippe-Fälle in der Altersgruppe der 10- bis 49-Jährigen aufgetreten, während bei der saisonalen Grippe häufiger Kinder und ältere Menschen betroffen sind.
Bei den jährlichen Grippewellen sind ältere Menschen und Personen mit Grunderkrankungen am stärksten gefährdet, weil es bei ihnen häufiger zu Komplikationen (vor allem zu bakteriellen Lungenentzündungen) und, vor allem bei älteren Menschen, zu Todesfällen kommt. Bei dem neuen Virus H1N1 ist es möglich, dass ältere Menschen einen gewissen - vermutlich aber eher schwachen - Schutz haben, weil ihr Immunsystem schon häufiger Kontakt mit den Viren der saisonalen Grippe hatte (die sich aber deutlich von der neuen H1N1-Variante unterscheiden).
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Kostenlose Telefon-Hotline des
Bundesgesundheitsministeriums:
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0800 44 00 55 0
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MO-DO von 8 bis 18 Uhr,
FR von 8 bis 12 Uhr
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Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind viele, aber nicht alle schweren Fälle bei Menschen mit Grunderkrankungen aufgetreten, vor allem bei Personen mit Erkrankungen der Atemwege, meist Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Immunsuppression (unterdrücktes Immunsystem). Auch Schwangere haben ein höheres Risiko für Komplikationen.
Diese Menschen sollten besonders auf Hygienemaßnahmen achten, denn diese Gruppe scheint eher zu einem komplizierten Krankheitsverlauf zu neigen.
Wie kann man sich schützen?
Alltägliche Hygienemaßnahmen tragen dazu bei, sich vor einer Infektion zu schützen:
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regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife, besonders vor dem Essen,
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Händegeben zur Begrüßung vermeiden,
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häufiges Lüften der Räume,
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direkte Kontakte mit Kranken meiden,
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Menschenansammlungen meiden,
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"hygienisch" in den Ärmel husten und niesen, um seine Hände nicht zu kontaminieren,
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Anhusten und Anniesen anderer Personen vermeiden,
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das Vermeiden von Berührungen der Augen, Nase oder Mund,
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die Nutzung und sichere Entsorgung von Einmaltaschentüchern,
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die Empfehlung für fieberhaft Erkrankte, im eigenen Interesse zu Hause zu bleiben, um weitere Ansteckungen zu verhindern.
So genannte "Hygienemasken" senken die Menge an möglichen Krankheitserregern, die ihr Träger in die Umgebung ausatmet. Sie können zum Schutz der Mitmenschen ergänzend zu den Basis-Hygienemaßnahmen eingesetzt werden.
Hintergrund: Woher kommt eigentlich die Schweinegrippe?
Die Schweinegrippe kam bisher vor allem bei Schweinen vor und wurde nur äußerst selten auf den Menschen übertragen. Schweinegrippeviren gehören zu den Influenza-Viren vom Typ A, die schon seit 80 Jahren bekannt sind. Ihre zahlreiche Subtypen werden je nach Zusammensetzung der Eiweißhülle mit H (für Hämagglutinin) und N (für Neuraminidase) bezeichnet. Die meisten dieser Subtypen sind harmlos oder nur für Tiere gefährlich. Der Subtyp Influenza A/H1N1 ist verantwortlich für die "normale" Grippe beim Menschen. Typisch für Influenzaviren ist, dass sie sich ständig ändern und die neuen Varianten damit vom Immunsystem erst einmal nicht mehr erkannt werden. Aus diesem Grund muss die Grippeimpfung auch jährlich neu vorgenommen werden.
Die neue Grippe wird durch eine neuartige, bislang unbekannte Variante des Sybtyps H1N1 hervorgerufen. Diese Varianten entstehen durch schlagartige Mutationen, indem mehrere Subtypen ihr Erbmaterial austauschen. Auf diese Weise können aus harmlosen, nur für Tiere gefährlichen Viren plötzlich aggressivere Varianten entstehen, die zudem neue Übertragungswege nutzen und gegen die zunächst kein Immunschutz besteht. Eine solche Mutation ist z.B. auch bei der Vogelgrippe-Epidemie passiert. Im aktuellen Schweinegrippevirus sind zwei Stämme der Schweinegrippe und je ein Stamm von Vogelgrippe und der "normalen" Grippe beim Menschen kombiniert.
Die Neue Grippe trat zuerst in Mexiko auf und verbreitete sich von dort aus zunächst in die USA und nach Kanada und anschließend auch nach Europa.
→ Interaktive Präsentation: Neue Grippe und Pandemierisiko (ca. 9 min; Flash erforderlich)
Was ist eine Pandemie?
Eine Pandemie bezeichnet eine weltweite Epidemie (zeitliche und örtliche Häufung einer Infektionskrankheit beim Menschen). Eine Influenzapandemie wird durch ein neuartiges Influenzavirus verursacht, das in der Lage ist, schwere Erkrankungen hervorzurufen und sich gut von Mensch zu Mensch zu verbreiten. Da dieser neue Erreger zuvor nicht beim Menschen vorgekommen ist, ist das Immunsystem nicht vorbereitet und daher auch nicht geschützt. Die Influenza-Pandemien des vergangenen Jahrhunderts gingen mit Erkrankungs- und Sterberaten einher, die übliche, auch schwere, Grippewellen übertrafen. Auch ein pandemisches Virus, das bei gesunden Menschen vergleichsweise milde Symptome verursacht, kann durch die hohe Zahl von Erkrankten in einem begrenzten Zeitraum die Gesundheitssysteme eines Staates überlasten.
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