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So entkommt man Googles Augen Drucken Weiterempfehlen
Donnerstag, 9. Juli 2009

Google filmt im Rahmen seines Projekts "Street View" nun auch in deutschen Städten Straßen und Häuser. Seit Wochen schon fahren Autos mit seltsamen meterhohen Gestellen auf dem Dach durch Städte und Gemeinden. Mit einer darauf montierten Rundum-Kamera werden Straßen abgefilmt. Nicht nur bei Datenschützern und Bürgerrechtlern weckt der Anblick Argwohn. Deshalb befasst sich auch die Politik immer wieder mit dem Google-Dienst, der die flächendeckende digitale Erfassung aller Straßen und Gebäude anstrebt. Gegen die Aufnahmen kann sich jeder Hausbewohner und -besitzer wehren, sowohl vor als auch nach ihrer Veröffentlichung im Internet. Anleitung, Links, Kontaktadresse sowie ein Musterschrieben für den Widerspruch finden Sie hier.

 

Google stellt im Rahmen seines Projekts „Street View“ (Straßenansicht) Fotoaufnahmen von Straßen und Plätzen aus aller Welt ins Netz, die aus einem Auto heraus aufgenommen werden. Die Filmaufnahmen sind seit 2009 im Gange. Das Unternehmen bietet bereits hochauflösende Luftaufnahmen des kompletten Globus mit dem Dienst „Google Maps“ und im Programm „Google Earth“ an.

 

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teilte im Juli 2009 nach Gesprächen mit dem US-Unternehmen mit, Google habe zugesagt, Widersprüche von Hausbesitzern und Bewohnern schon vor der Veröffentlichung zu berücksichtigen. "Es dürfen einzelne Personen an einzelnen Orten zu bestimmten Zeiten nicht erkennbar sein", so Herrmann. Die Privatsphäre der Bürger müsse geschützt werden. Außerdem hat Google zugesagt rechtzeitig anzukündigen, wann seine Kamerawagen durch welche Städte fahren: Über die demnächst zur Ablichtung vorgesehenen Orte informiert Google auf seiner Frageseite zu Street View. Gesichter und Autokennzeichen werden von vornherein auf den Aufnahmen unkenntlich gemacht. 

  

Wie kann ich gegen die Veröffentlichung von Bildern meines Hauses widersprechen?

 

Jeder kann die Bilder von seiner Garageneinfahrt, seinem Haus oder seinem Garten wieder aus dem Internet entfernen lassen. Wie man bereits veröffentlichte Aufnahmen löschen lassen kann, erklärt Google in seiner Liste der häufig gestellten Fragen (FAQs) unter der Überschrift "Wie kann ich ein Street View-Bild melden?" Dort wird dann anhand eines Screenshots beispielhaft erklärt, wie das Formular mit dem Einwand oder Widerspruch zu Google gelangt.

 

Wer es gar nicht soweit kommen lassen will, kann schon vor der Veröffentlichung beantragen, dass die Fotos des eigenen Hauses nicht in Street View aufgenommen werden. Hierzu hat Google ein Online-Formular bereitgestellt, das man über die neue Infoseite zu Google Street View erreicht ("Unkenntlichmachung beantragen"). Da der Dienst für Deutschland im November 2010 starten soll und die Bearbeitung der Anträge etwas Zeit in Anspruch nimmt, sollte man bis zum 15. Oktober 2010 seinen Widerspruch einreichen. Falls es dafür zu spät sein sollte, muss man den oben beschriebenen Weg ("Bild melden") gehen.

 

Alternativ ist in beiden Fällen auch der Einspruch per Brief oder E-Mail möglich. Die Post-Adresse lautet:

Google Germany GmbH, Betr.: Street View, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg.

Die Mail-Adresse für Einsprüche gegen Street-View ist Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können .

 

Beim Widerspruch gegen die Veröffentlichung des eigenen Wohnhauses in Street View verlangt Google nicht nur die genaue Anschrift mit Hausnummer, sondern zusätzlich eine nähere Beschreibung des Hauses, wie etwa Farbe des Hauses, Balkone, markante Gebäude in der Umgebung, usw. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz (BMELV) stellt einen Mustertext zum Download bereit.

  

Unklare Rechtslage?

  
Die Befürchtung, "Street View" würde die Privatsphäre der Bürger verletzen, hält Google für völlig unbegründet. In einem vom US-Konzern in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten bezweifeln die Experten der Universität Hannover, ob durch die Abbildung von Personen und Autos überhaupt personenbezogene Daten betroffen sind. Das deutsche Datenschutzgesetz wäre somit für Street View nicht anwendbar. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) bezweifeln dies, fordern mehr Transparenz und warnen vor der beherrschenden Marktposition von Google. In Bayern forderten FDP und Opposition bereits 2009, die Filmaufnahmen notfalls sogar zu verbieten, "wenn keine befriedigende Lösung zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger gefunden wird". Insgesamt äußern zahlreiche Politiker aller Parteien Sicherheitsbedenken: In Zukunft werde jeder die Möglichkeit haben zu sehen, wie andere Leute leben. Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) mahnte daher, nicht nur Google im Blick zu behalten, sondern auch andere Internet-Dienste und kommunale Webcams.
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Letzte Aktualisierung: Freitag, 20. August 2010
   
 
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